Praxis-Check: dynamischer Stromtarif bei Tibber
Unter dynamischen Strompreisen versteht man einen Strompreis der meist als Stundenpreis (oder 15min Preis) am Vortag an der Strombörse EPEX ausgehandelt wird. Deutschland hat bedingt durch den hohen Anteil an regenerativen Energien einen sehr volatilen Stunden-Strompreis (inc Netzentgelt und Steuern zwischen 5 und 50cent). Meist liegt der Strompreis auch im Mittel (zwischen 15 und 35cent) unter den Preisen von Jahresverträgen mit Preisgarantie.
Selbstversuch mit dem Anbieter “Tibber”
Zunächst die Vorgeschichte: Ich dachte wir als Haushalt mit E-Auto, Wärmepumpe und PV-Anlage hätten die idealen Voraussetzungen für einen dynamischen Stromtarif. Daher sind wir vor 3 Monaten zum Anbieter “Tibber” gewechselt. Der Wechsel selbst ist sehr unproblematisch. Nachdem mir ein Kollege eine 50€ Bonus für die Empfehlung ermöglicht hat, habe ich mir auch noch den “Tibber-Puls”-Adapter zugelegt der meine “moderne Messeinrichtung” (digitaler Zähler) auslesen kann und einen Stundenpreis auf Basis des “EPEX day-ahead-price” ermöglicht (hierbei wird kein sogenanntes “Intelligentes Meßsystem” benötigt). die “Tibber” App (Android oder iOS) ist OK und bietet gute Infos zum aktuellen Strompreis und den Kosten.
Nachfolgend habe ich eine Analyse unserer privaten Verbrauchswerte (Laufzeit 12 Monate, 2 Personen Haushalt, E-Auto, Wärmepumpe) durchgeführt und die Ergebnisse dokumentiert. Leider lohnt sich ein dynamischer Stromverbrauch für einen Normalhaushalt in der Regel nicht. Ich habe das 4 Monate ausprobiert und sogar, je nach Strompreis die Wallbox und die WP gesteuert und dies Stunden- und Tageweise dokumentiert (siehe unten).
Testsetup:
- Haushalt 2 Personen
- PV-Anlage (2,6kW-Peak)
- Luft-Wasser-Wärmepumpe (max. 8kW)
- Elektro-Auto mit ca. 15-20kW Ladebedarf je Tag

Ergebnis: Nach 4 Monaten (inc. der Dunkelflauten im Nov./Dez. 24 ca. 260€ Mehrkosten gegenüber einem simulierten 28 cnt Fixpreis (derzeit bezahle ich beim Stromanbieter “grüüün” 24,07cnt Fixpreis !). Dyn. Strompreise mögen für die Energiewende notwendig und sinnvoll sein, das derzeitige Preismodell ist aber für die meisten Verbraucher nicht attraktiv.
Link zum GitHub für alle die das Testsetup einfach selbst nachbilden wollen (inc. Möglichkeit zur SG-Ready Ansteuerung von WP und Wallbox) https://github.com/raibisch/ESP32_DYNECALC
Fazit
Je nach persönlicher Situation kann man besonders beim Elektro-Auto Stunden mit günstigen Preisen nutzen (im Winter meist nachts, im Sommer mittags). Die Apps der Anbieter bieten sogar die Möglichkeit das Ladeverhalten des E-Autos zu steuern.
Für die Wärmepumpe gilt: Dann wenn man besonders viel Energie verbraucht und nur sehr wenig PV-Strom verfügbar ist (im Winter bei bedecktem Himmel) ist der dynamische Strompreis am höchsten.
Wer eine PV-Anlage besitzt, bezieht ausgerechnet dann, wenn der dynamische Strompreis niedrig ist, günstigen eigenen PV-Strom. Mit PV-Anlage und einem Batterie-Speicher kann man in der Übergangszeit auch noch die Wärmepumpe vom Vormittag bis Abends betreiben. Im Sommer deckt man dem Warmwasserbedarf leicht durch die eigene PV-Anlage.
….um es kurz zu machen: Für die meisten Haushalte - auch mit Wärmepumpe und E-Auto - lohnt es sich nicht! Sicherer ist einen günstigen Stromversorger mit festen Preis zu suchen.
